Niereninsuffizienz beim Hund - Symptome erkennen
20.08.2026 - Lesedauer: 6 Minuten

Eine Erkrankung der Nieren ist manchmal schwer zu erkennen - je früher sie diagnostiziert wird, desto besser kannst du deinem vierbeinigen Liebling helfen.
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Unter den Katzenhaltern ist bereits bekannt, dass eine Niereninsuffizienz insbesondere bei älteren Katzen eine weitverbreitete Krankheit ist. Dass aber auch viele Hunde an chronischer oder akuter Niereninsuffizienz leiden, ist immer noch zu wenig bekannt. Das liegt mitunter daran, dass die Krankheit häufig erst sehr spät oder gar nicht rechtzeitig erkannt wird. Dabei ist eine Niereninsuffizienz bei Hunden leider eine häufige Todesursache. Hier erfährst du, auf welche Symptome du achten solltest, um Nierenkrankheiten bei deinem Hund zu erkennen und vorzubeugen und wie eine Niereninsuffizienz therapiert wird.
Die Niere des Hundes: ein kleines Organ mit großer Wirkung
Die beiden Nieren des Hundes liegen von einer Fettschicht geschützt neben der Wirbelsäule in Höhe des Lendenbereichs. Durch sie wird unaufhörlich Blut gepumpt und mithilfe von sog. Nephronen von Schadstoffen befreit. Nieren gehören mitunter zu den wichtigsten Reinigungsorganen des Hundekörpers. Sie filtern täglich harnpflichtige Substanzen, unter anderem Abbauprodukte des Eiweißstoffwechsels wie Ammoniak und Kreatinin, aus dem Blut. Doch sie leisten noch mehr, indem sie für den Wasser-Elektrolythaushalt, die Hormonproduktion und zum Beispiel auch für die Erneuerung der roten Blutzellen zuständig sind. Darüber hinaus halten sie das Säure-Base-Verhältnis im Gleichgewicht und regulieren den Blutdruck. Sterben die Nephronen nach und nach ab, kommt es zu einer sog. chronischen Niereninsuffizienz – auch Nierenversagen beim Hund genannt.
Niereninsuffizienz beim Hund: Welche Ursachen stecken dahinter?
Erkrankte Nieren schlagen erst sehr spät sichtbaren Alarm. Erst wenn es circa 75 Prozent der Nephronen zerstört sind, kommt es zum äußerlich erkennbaren Nierenversagen. Die Folgen davon sind verheerend: Schadstoffe und die harnpflichtigen Stoffe werden nicht mehr ausgefiltert, womit der Körper des Hundes von innen vergiftet wird. Außerdem gerät das innere Elektrolyt- und Säure-Basen-Verhältnis aus dem Gleichgewicht. Hoher Blutdruck und Unterversorgung der Körperzellen mit Sauerstoff aufgrund von Anämie (Blutarmut) drohen.
Davon betroffen sind nicht nur alte Hunde, die häufig schon mit einer fortgeschrittenen Niereninsuffizienz in Tierpraxen vorstellig werden. Tierärzte gehen davon aus, dass über 20 Prozent der Hunde, die das fünfte Lebensjahr erreicht oder überschritten haben, an eingeschränkter Nierenfunktion leiden.
Tritt die Krankheit bereits im jungen Hundealter auf, so liegt es nicht selten an einer genetischen Disposition. Inzwischen wissen die Tiermediziner, dass bestimmte Rassen häufiger als andere zu verschiedenen Nierenerkrankungen neigen, welche zu einer Niereninsuffizienz führen. Dazu zählen insbesondere: Terrier wie Wheaten, Cairn, West Highland, aber auch Beagle, Chow-Chow, Dobermann, Golden Retriever, Berner Sennenhund, Rottweiler oder Bullterrier.
Die Tiermedizin unterscheidet zwischen akuter und chronischer Niereninsuffizienz.
Eine akute Niereninsuffizienz tritt mitunter plötzlich und symptomstark (beispielsweise vermindertes Trink- und Harnabsatzverhalten) auf und wird durch eine Minderdurchblutung der Niere verursacht.
Das kann unter anderem geschehen als Folge von:
- Blut- und Flüssigkeitsverlust durch bspw. einen Unfall
- Kreislaufkollaps / Hitzeschlag
- Schockzustand und Allegie
- Prostatahypertrophie beim Rüden
- Blasensteine
- Schwere Infektionskrankheiten wie: Leptospirose, Borreliose, Leishmaniose oder Gebärmutterentzündung (Pyometra)
- Vergiftungen zum Beispiel durch Frostschutzmittel, Trauben oder Schwermetalle
Infektionen oder Vergiftungen, sind dabei die häufigsten Ursachen.
Chronische Niereninsuffizienz beim Hund: die Symptome
Bei einer so schwerwiegenden Erkrankung wie der chronischen Niereninsuffizienz, auch chronisches Nierenversagen genannt, hängt alles von dem rechtzeitigen Erkennen der Symptome ab. Erschwerend kommt jedoch hinzu, dass die ersten Symptome einer Niereninsuffizienz beim Hund unspezifisch sind und von vielen Hundehaltern missdeutet werden.
Klinische Symptome können mit Mattigkeit und Teilnahmslosigkeit beginnen. Auch wenn sie dem Hundehalter auffallen, so werden sie häufig damit abgetan, dass der Hund „bloß älter“ wird. Doch auch beim alten oder älter werdenden Hund sind Lustlosigkeit, Schwerfälligkeit und Müdigkeit keine normalen Alterserscheinungen. Im fortschreitenden Stadium einer chronischen Niereninsuffizienz mehren sich die Symptome und zeigen eine große Variationsbreite.
Sei immer alarmiert, wenn dein Hund zunehmend mehr oder phasenweise sehr viel Wasser trinkt (Polydipsie) und vermehrten Urinabsatz (Polyurie) hat, denn das sind die häufigsten Anzeichen eine chronischen Niereninsuffizienz.
Achte auch auf folgende Symptome:
- Allgemeine Mattigkeit
- Appetitmangel, Futterverweigerung und Gewichtsverlust
- Fieber oder Fieberschübe
- Mattes, struppiges Fell
- Blut im Urin
- Vermehrte Wasseraufnahme und häufiger Harndrang mit möglicher Inkontinenz
- Entzündungen der Zähne und/oder blasse Mundschleimhäute (bei einer blassen Mundschleimhaut solltest du sofort einen Tierarzt konsultieren)
- Erbrechen und/oder breiiger Kot oder Durchfall
- Anämie (Blutarmut) kommt im Spätstadium hinzu
Achtung: Die Ausprägung der Symptome korreliert oft nicht mit der Schwere der Nierenerkrankung. Daher sind auch geringgradige Symptome ernst zu nehmen!
Es ist wichtig, dass du die Symptome ernst nimmst und besser direkt einen Tierarzt um Rat fragst.
Dem Tierarzt stehen verschiedene Möglichkeiten der Diagnose einer Niereninsuffizienz zur Verfügung.
An erster Stelle wird er den Blutdruck des Hundes messen und eine Blutuntersuchung anordnen. Dabei werden die Konzentration von stickstoffhaltigen Substanzen sowie die Harnstoff- und Kreatininwerte und Phosphatwerte bestimmt. Diese Diagnostik ist zuverlässig, da bei einer Erkrankung der Nieren nicht ausgefilterte Harnstoffe in erhöhter Konzentration in die Blutbahn gelangen (Azotämie).

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Weiter wird der Tierarzt eine Harnanalyse vom Urin des Hundes veranlassen. Sie ist sehr sinnvoll, weil das darin gemessene sogenannte Spezifische Harngewicht (SHG) gute Auskunft über die Funktionsfähigkeit der Niere liefert. Darüber hinaus werden unter anderem der Proteingehalt, mögliche Blutbeimengungen, Immunzellen und Glukose im Urin erfasst. Zusammen mit den Ergebnissen der Blutanalyse kann der Tierarzt bereits eine sehr differenzierte Diagnose über den Zustand der Nieren deines Vierbeiners stellen. Zudem müssen andere Ursachen einer Azotämie, wie Infektionskrankheiten oder Harnsteine, ausgeschlossen werden.
Bei einem erhärteten Verdacht auf eine Nierenschädigung wird der Tierarzt zusätzlich einen Ultraschall vornehmen, um die Größe der geschädigten Nieren und ihre innere Struktur einzuschätzen.
Bei einer Diagnose einer Niereninsuffizienz deines Vierbeiners ist wichtig festzustellen, wo die Ursache der Erkrankung liegt – bspw. primäre Infektionskrankheiten wie die Leishmaniose – und ob es sich dabei um eine akute oder eine chronische Niereninsuffizienz des Hundes handelt.
Eine akute Nierenerkrankung lässt sich “leichter” behandeln, da eine Blutunterversorgung der Niere mit entsprechenden Medikamenten gute Chancen auf vollständige Heilung hat. Vorausgesetzt, die akute Niereninsuffizienz wird rechtzeitig erkannt und therapiert. Denn die Niere kann sich unter Umständen und bei schneller Behandlung von dem schädlichen Auslöser erholen. Meist umfasst die Therapie unter anderem eine intensive Infusionsbehandlung im Rahmen eines stationären Aufenthalts. Die Gefahr besteht jedoch immer, dass ein akutes Stadium unbeachtet in eine chronische Insuffizienz übergeht.
Wesentlich schwieriger gestaltet sich eine Behandlung des chronischen Nierenleidens. Zu verstehen ist darunter eine irreversible Schädigung und ein Abbau der inneren Struktur der Niere über einen Zeitraum von über 3 Monaten.
Wichtig: Nierengewebe regeneriert sich nicht. Jedes Lebewesen wird mit einer bestimmten Anzahl an funktionsfähigen Nephronen geboren. Gehen Nephrone zugrunde, können die verbleibenden Funktionseinheiten ihre Leistung kurzfristig kompensatorisch steigern, um den Verlust auszugleichen. Sind jedoch einmal so viele Nephrone geschädigt oder untergegangen, dass die verbleibenden Einheiten die Ausscheidung harnpflichtiger Stoffe nicht mehr ausreichend bewältigen können, ist das Stadium der klinisch sichtbaren Niereninsuffizienz erreicht. Dieser Zustand gilt als unumkehrbar.
Das oberste Gebot ist daher: Verbleibendes, funktionierendes Nierengewebe so lange wie möglich zu erhalten. Therapeutische Maßnahmen bei einer chronischen Niereninsuffizienz können das Fortschreiten der Erkrankung zwar verlangsamen, jedoch nicht aufhalten.
So erschreckend die Diagnose einer chronischen Niereninsuffizienz sicherlich ist, sie bedeutet jedoch nicht, dass dein Vierbeiner dir nicht noch weitere Jahre ein treuer Begleiter bleiben kann. Voraussetzung ist jedoch die unbedingte Einhaltung der medizinischen Maßnahmen.
Folgende Maßnahmen sollten eingehalten werden:
- Spezielle proteinarme und salzarme Nierendiät mit Zugabe von Omega-3-Fettsäuren: Die geschädigte Niere darf nicht mit Stoffwechselprodukten belastet werden. Eine Nierendiät ist besonders bei einer Diagnose im frühen Stadium nachweislich sehr wirksam und lebensverlängernd.
- Große Menge an frischem Trinkwasser: Da der nierenkranke Hund vermehrt Urin ausscheidet, kann es bei zu knappem Trinkwasserangebot zu einer lebensgefährlichen Urämie kommen. Initial kann eine Flüssigkeitstherapie mit dem Ausgleich der Elektrolytverschiebungen mittels Infusion nötig sein.
- Zufütterung an Vitaminen C und B: als Ausgleich von Mangelerscheinungen bei chronischer Niereninsuffizienz.
- Neuste tiermedizinische Studien befürworten, wenn indiziert, eine Zugabe an speziellen Herzmedikamenten, den sog. ACE-Hemmern, von denen man sich einen guten Schutz der Nieren verspricht.
- Stressvermeidung für deinen Hund ist ein wichtiger Faktor, um Schwankungen im Blutdruck und die Produktion von Stresshormonen zu reduzieren.
- Verabreiche andere Medikamente ausschließlich nach Rücksprache mit dem behandelnden Tierarzt, da bestimmte Präparate die Nierenfunktion wesentlich herabsetzen können.
Hinweis: Die Fütterung eines veterinärmedizinischen Diätfutters darf nur nach Rücksprache mit einem Tierarzt erfolgen.
Halte unbedingt engmaschige tierärztliche Kontrolluntersuchung ein.
Zögere nicht, sofort eine Tierarztpraxis oder Tierklinik aufzusuchen, wenn du an deinem Hund eine akute Verschlechterung der Symptome bemerkst. Denn eine leichte Insuffizienz kann in eine Urämie, ein hoch akutes Nierenversagen beim Hund, mit Anstauung harnpflichtiger Substanzen im Blut umschlagen, das nur durch sofortige Infusionstherapie aufzufangen ist. Ist dein Hund noch gesund, so schützt du ihn weiterhin durch jährliche Vorsorgeuntersuchungen. Denn umso schneller die Erkrankung entdeckt wird, desto größer die medizinischen Heilerfolge.





