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Hund kastrieren – Informationen rund um den „Routineeingriff“

Ist Ihr Rüde ungehorsam oder dominant, zieht an der Leine, markiert jedes Grasbüschel, kann von keiner Hündin lassen, reitet andere Hunde auf und ist zeitweise aggressiv? Bei solchen Problemen erhoffen sich viele Hundehalter schnelle Hilfe durch eine Kastration. Tatsächlich boomt in deutschen Tierarztpraxen die Kastration bei Rüden wie Hündinnen. Sie wird als Routineeingriff angepriesen und ihre Vorteile hervorgehoben. So gewinnen Halter schnell den Eindruck, mit einer Kastration dem Hund „etwas Gutes“ zu tun. Gleichzeitig steigt das kritische Bewusstsein für den Eingriff und seine Folgen.

Informieren Sie sich hier umfassend über die Kastration bei Rüden und Hündinnen und lesen Sie über Pro und Kontra, die Kosten und den Ablauf des Eingriffs.

Was bedeutet eigentlich „Kastrieren“?

Kastration ist der tierärztliche Fachbegriff für einen Eingriff, bei dem beim Hund die Keimdrüsen entfernt werden (beim Rüden die Hoden, bei der Hündin die Eierstöcke, Eileiter, Gebärmutter und Muttermund). Er unterscheidet sich von der Sterilisation, bei der der Tierarzt nur die Samenleiter bzw. die Eileiter unterbricht. Die Kastration ist ein endgültiger operativer Vorgang, der nicht mehr rückgängig zu machen ist. Er wird unter Vollnarkose vorgenommen und kann von Nebenwirkungen begleitet sein.

Bevor eine Kastration in Betracht kommt, muss der Hund eine gründliche Voruntersuchung – auch auf Parasitenbefall – absolvieren. Nur wenn er gesund ist, wird operiert.

Der Ablauf einer Kastration bei Rüden in aller Kürze:
  • Der Intimbereich des Hundes wird rasiert, desinfiziert und steril abgedeckt.
  • Der Tierarzt schiebt den Hoden vor den Hodensack und öffnete dann die Haut mit einem Skalpell. (Eine von vielen Methoden)
  • Es erfolgt eine Freilegung des Hodens samt Samenstrang, der abgebunden wird.
  • Der Arzt trennt daraufhin den Hoden ab und nimmt ihn heraus, gibt anschließend den Samenstrang wieder frei und vernäht die Wunde.
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Bei Hündinnen bedeutet die Kastration einen tiefer gehenden Eingriff:
  • Die Bauchregion der Hündin wird entsprechend vorbereitet, der Skalpellschnitt unterhalb des Bauchnabels angesetzt und über die Unterbauchlänge durchgezogen.
  • Die sogenannten Gebärmutterhörner werden verschoben, die Eierstöcke (Ovarien) abgebunden und nacheinander abgeschnitten. Diese Schnitte werden mit resorbierbaren Fäden vernäht.
  • Anschließend platziert der Tierarzt die Gebärmutter (Uterus) zurück und vernäht die OP-Stelle mit mehreren separaten und nicht resorbierenden Fäden. In den meisten Fällen wird der gesamte Uterus mit entfernt.

Die äußeren Fäden zieht der Arzt nach rund zehn Tagen, die inneren Fäden lösen sich nach einer gewissen Zeit von selbst auf.

Die Hunde wachen nach etwa einer bis zwei Stunden aus der Narkose auf, sind aber noch lange Zeit danach benommen, haben Schmerzen und sollten nicht alleine gelassen werden. Bitte geben Sie dem Tier nach ärztlicher Anweisung entsprechende Schmerzmittel, die Sie vom Tierarzt mit nach Hause bekommen.

Was müssen Sie vor und nach der Kastration Ihres Hundes beachten?

Da es sich bei Kastrationen um Operationen unter Vollnarkose handelt, sollten Sie Maßnahmen zur Minimierung möglicher Komplikationen einhalten.

Dies sind folgende Maßnahmen:
  • Ihr Hund muss unbedingt nüchtern zum OP-Termin erscheinen.
  • Füttern Sie ihn mindestens 12 Stunden lang nicht (keine Mahlzeit am Vorabend).
  • Am OP-Tag sollte Ihr Hund vorher nichts trinken.

Nach dem operativen Eingriff verzichten Sie bis zur vollständigen Ausheilung der inneren und äußeren Wunden auf lange Spaziergänge mit Ihrem Vierbeiner. Halten Sie Ihren Hund an der kurzen Leine, damit sich die Wunde nicht dehnt. Lassen Sie den Hund nicht springen – auch nicht vom Autositz herunter. Kontrollieren Sie die Wunde täglich, damit sie sich nicht entzündet. Um den Rüden am Lecken der Wunde zu hindern, trägt er in der Zwischenzeit am besten eine Halskrause und die Hündin ein spezielles Hundeshirt.

Was kostet eine Kastration bei Hunden?

Die Kosten einer Kastration bei Hunden können je nach Tierarzt oder Tierklinik stark variieren. Holen Sie am besten mehrere Preisvorschläge ein.

Die Kastration des Rüden beläuft sich im Durchschnitt auf 150 bis 250 Euro. Da die Kastration bei der Hündin einen umfangreicheren Eingriff bedeutet, liegen die Kosten dafür höher.

Wann den Hund am besten kastrieren?

Da die in den Hoden und Eierstöcken produzierten Hormone die psychische und physische Entwicklung der Hunde steuern, ist es dringend angeraten, die Tiere erst nach ihrer abgeschlossenen Pubertät kastrieren zu lassen.

Die Sexualhormone haben Auswirkungen auf den Knochenaufbau. Daher weisen zu früh kastrierte Hunde eine deutliche Neigung zu Gelenkproblemen und Hüftdysplasie auf. Nur in besonderen Ausnahmefällen (beispielsweise abnorme Sexualitätsneigung, Aggressivität) und nach eingehender Beratung mit Experten ist eine Frühkastration indiziert.

Die Pubertätsdauer des Hundes hängt von Rasse und Umweltfaktoren ab und kann nicht pauschalisiert werden. Große Hunderassen brauchen zum Beispiel mehr Zeit, bis sie ausgewachsen sind.

Eine Hündin sollten Sie nicht vor ihrer ersten Läufigkeit kastrieren lassen. So vermeiden Sie unerwünschte Fellveränderungen und lebenslang kindliches Verhalten. Frühkastrationen vor der ersten Läufigkeit der Hündin werden als Mammatumoren-Prophylaxe angeboten. Das Für und Wider sollten Sie dabei gründlich abwägen.

Hund kastrieren oder nicht? Pro & Kontra

Viele Hundehalter sehen in der Kastration fälschlicherweise ein probates Mittel, um Verhaltensprobleme bei Hunden schnell zu lösen oder möglichen Krebserkrankungen vorzubeugen.

Doch wie sieht es tatsächlich mit den Auswirkungen einer Kastration bei Hunden aus?

Eine Kastration hat keine positiven Auswirkungen bei folgenden Problemen:
  • Ungehorsam
  • Fehlende Leinenführigkeit
  • Dominanz und Aggression, falls beide nicht durch den Sexualtrieb motiviert sind
  • Rassebedingtes Territorial- und Schutzverhalten

Was nur wenige Hundehalter wissen: Das einmal im Gehirn des Hundes codierte Sexualverhalten lässt sich in den meisten Fällen durch eine Kastration nicht mehr beheben. Reitet Ihr Hund beispielsweise Artgenossen auf, wird er dieses Verhalten nach einer Kastration mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit beibehalten. Hier helfen nur professionelle Erziehungs- und Verhaltensmaßnahmen.

Zu unerwünschten Folgen einer Kastration beim Hund zählen:
  • Fettleibigkeit bei rund 50 Prozent der kastrierten Hunde, mit möglichen gesundheitlichen Folgeproblemen (Gelenkprobleme, Herz- und Leberkrankheiten)

  • Wesensveränderung durch fehlende Hormone (möglicherweise Lethargie, Desinteresse)

  • Erhöhte Bissigkeit/Aggressivität gegenüber Artgenossen, insbesondere unter Hündinnen

  • Infantiles (kindliches) Verhalten, falls der Hund zu früh kastriert wird

  • Fellveränderungen, „Welpenfell“, das heißt, weiches, stumpfes Haar, insbesondere bei Hündinnen, bei etwa 30 Prozent der Fälle

  • Inkontinenz, besonders bei größeren Hündinnen, bei circa 50 Prozent

  • Häufigere Ohrenentzündungen, bei circa 30 Prozent

Auch das Sozialverhalten der Hunde ändert sich: Die Rüden untereinander können sich nicht mehr richtig „riechen“ und einordnen, was zu groben Kommunikationsfehlern führen kann. Einige kastrierte Rüden werden von ihren intakten Artgenossen „gemobbt“ und aufgeritten.

Mit einer Kastration beim Hund werden folgende positive Auswirkungen erzielt:
  • Keine Fortpflanzung
  • Keine Läufigkeit der Hündin und keine „Scheinträchtigkeit“ mit den typischen damit zusammenhängenden Problemen

  • Kein hormonbedingter Stress bei Rüden

Darüber hinaus erhofft man sich von einer Kastration ein vermindertes Risiko bei einigen Hundekrankheiten wie Hodenkrebs und Prostataprobleme bei Rüden, Gebärmutterentzündung und Gesäugetumore bei Hündinnen. Statistisch betrachtet liegen die Risiken von Gesäugetumoren bei intakten Hündinnen bei rund 2 Prozent. Eine Reduzierung dieser Krebswahrscheinlichkeit ist nur dann gegeben, wenn die Hündin vor ihrer ersten Läufigkeit, also sehr früh, kastriert wird.

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Es muss nicht gleich Kastration sein: Sterilisation und „Kastration auf Zeit“

Die Sterilisation ist ein probates Mittel, um Fortpflanzung zu unterbinden, wobei der Rüde oder die Hündin weiterhin mit Hormonen versorgt bleibt. Die Sterilisation ist operativ reversibel.

Ein neues Mittel der Kastration stellt das Suprelorin-Implantat dar. Dabei handelt es sich um einen Kastrations-Chip, der die Wirkung einer Kastration chemisch durch den Wirkstoff Deslorelin herstellt und dem Rüden subkutan implantiert wird. Er setzt die Libido, den Testosteronspiegel und die Fortpflanzungsfähigkeit für sechs bis 14 Monate herunter. Zeit genug, um die Auswirkungen einer irreversiblen Kastration „auf Probe“ zu testen, denn hier sind die Nebenwirkungen reversibel. Für Hündinnen ist das Suprelorin-Implantat (noch) nicht zugelassen, wurde aber bereits getestet.

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