Scottish Fold: Faltohren mit schweren gesundheitlichen Folgen

20.02.2026 - Lesedauer: 7 Minuten

Eine Scottish Fold sitzt auf einem Sessel in einem Wohnzimmer und schaut in die Kamera

Klapp- statt Faltohr: Während die meisten Katzenarten mehr oder weniger große, aufrechte Ohren haben, sind die der Scottish Fold bedenklich verformt. Die ebenfalls als Schottische Faltohrkatze bekannte Rasse hat nach vorn überhängende Ohrspitzen und verformte Knorpel, welche eine verkrümmte Form angenommen haben. Die gefalteten Ohren sind erblich bedingt, da die Knorpelbildung im gesamten Körper gestört ist. Dasselbe Gen führt leider auch zu schmerzhaften Gelenkdeformationen, welche ihre Bewegungen einschränken. Katzen dieser Rasse zählen daher zu den sogenannten Qualzuchten, da ihnen aus rein ästhetischen Gründen Merkmale angezüchtet wurden, die ein Leben ohne Schmerzen, Leiden und Schäden nahezu unmöglich machen. Die gefalteten Ohren sollen ein runderes Gesicht erzeugen, das dem sogenannten Kindchenschema entspricht. Erfahre mehr über die Scottish Fold und die Folgen von Faltohren.

Hinweis: In Österreich sind die Zucht, der Import, der Kauf und die Vermittlung von Rassen mit sogenannten Qualzuchtmerkmalen gesetzlich verboten. Dazu zählen unter anderem haarlose oder extrem kurzköpfige Zuchtformen sowie weitere Rassen, bei denen extreme körperliche Ausprägungen ein gesundes Leben beeinträchtigen oder unmöglich machen.  Diese Merkmale können auch bei dieser Rasse vorkommen.

Bitte informiere dich daher immer über die lokalen gesetzlichen Vorgaben und Gegebenheiten in deinem Land oder deiner Region.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Scottish-Fold-Katzen gelten als ruhige, friedfertige und ausgeglichene Vertreter der Katzen. Gegenüber Menschen sind sie wenig aufdringlich, freuen sich jedoch über Streicheleinheiten und kleinere Spiele.
  • Generell besitzen alle Scottish-Fold-Katzen, auch Mischlinge, den Gendefekt Osteochondrodysplasie. Dieser ist verantwortlich für die Faltohren der Tiere und führt zu erhebliche Knochen- und Knorpelschäden. Die daraus resultierende Veränderung der Knochen, der Gliedmaßen und der Wirbelsäule führen zu lebenslangen Schmerzen und Leiden sowie Einschränkungen in der artgemäßen Lebensweise von Katzen.
  • Wegen dieser Erbkrankheit leiden viele Scottish Fold Katzen bei ausgeprägten Symptomen unter dauerhaften Schmerzen, wodurch diese Rassen zu den Qualzuchten zählt.
  • OCD ist nicht heilbar und kann lediglich mit einer Schmerztherapie behandelt werden, um das Leiden zu lindern.
  • Scottish Folds benötigen besonders viel pflegerische Aufmerksamkeit, etwa beim wöchentlichen Bürsten des Fells. Eine ruhige Umgebung, in der sich deine Katze auch mit Einschränkungen bewegen kann, kommt ihr zugute.
  • Für eine Scottish Fold fallen hohe finanzielle Aufwendungen an, da sie aufgrund ihrer angeborenen Gesundheitsprobleme häufiger tierärztliche Versorgung benötigen und in vielen Verhaltensweisen eingeschränkt sind.

SteckbriefScottish Fold

Rasse
Scottish Fold
Herkunft
Großbritannien
Größe
mittelgroß, 35 bis 55 Zentimeter (Kopf-Rumpf-Länge)
Gewicht
4 bis 5 Kilogramm (Kater), 2 bis 4 Kilogramm (Katze)
Körperbau
kompakt und kräftig, stämmige Beine, runde Pfoten
Kopfform
rundlich mit breiter Nase und kräftigem Kinn, „Kindchenschema“
Augen
alle Farben
Fell und Farbe
mittellang, dicht und flauschig, alle Farben außer Lilac, Schokolade und Siampoint
Fellpflege
mittellang, dicht und flauschig, alle Farben außer Lilac, Schokolade und Siampoint
Charakter
ruhig, freundlich, intelligent, anhänglich
Besonderheiten
„Knickohren“ durch Genmutation
Gesundheit
gesundheitliche Einschränkung durch Faltohren und generalisierte Knochen- und Knorpelschäden, wodurch diese Rasse als Qualzucht definiert wird
Haltung
gemäß § 5 Abs. 2 Z 1 österr. Tierschutzgesetz eine Qualzucht. Haltung und Zucht verboten!

Scottish Fold: Charakter

Die Scottish Fold gehört zu den stilleren Vertretern unter den Rassekatzen. Sie miaut selten und möchte nicht den ganzen Tag toben. Geschuldet ist das dem bereits genannten Gendefekt, der zu schmerzhafter Arthrose führen kann und so Knochen- und Knorpelschäden verursacht. Die Katze ist infolgedessen in der Beweglichkeit eingeschränkt. Charakterlich zeichnet sich die Scottish Folds zudem durch Empathie aus. Sie registrieren die Stimmung ihrer Menschen genau und reagieren je nach Situation mit Anschmiegsamkeit oder spielerischen Aktionen. In der Regel sind die Tiere sehr friedfertig und tendieren zum Ausweichen statt dem Zücken der Krallen zur Abwehr. Durch ihre ausgeglichene, freundliche Art wird sie oft von Familien in das Herz geschlossen.

Rassetypische Eigenschaften

Jede Katze ist individuell zu betrachten mit ihrem eigenen Charakter, Verhalten und Bedürfnissen. Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand, genetische Veranlagung und frühere Erfahrungen können das Temperament und die Aktivität eines Tieres beeinflussen. Die hier beschriebenen Eigenschaften sind typisch für die Rasse, können aber im Einzelfall variieren.

Haltung und Pflege der Scottish Fold

Gemäß § 5 Abs. 2 Z 1 österr. Tierschutzgesetz ist die Scottish Fold eine Qualzucht. Haltung und Zucht ist verboten! Das letztlich für die Klappohren verantwortliche Gen beeinflusst auch andere Knorpel- und Knochenstrukturen. Es besteht daher bei der Schottischen Faltohrkatze eine erhöhte Anfälligkeit für Osteochondrodysplasie (OCD). Mögliche Anzeichen dieser Erkrankung sind beispielsweise Berührungsschmerzen, Arthrosen, Lahmheit und verdickte Gelenke. Häufig müssen diese Symptome lebenslang mit Schmerzmitteln behandelt werden.

Farben der Scottish Fold

Das Farbspektrum, in dem die Scottish Fold nach Rassestandards anerkannt ist, ist umfangreich: Erlaubt sind alle Farbschläge wie z.B. ein Tabby- oder Mackerel („Makrelen“) -Muster sowie Schildpatt und gescheckt. Verboten sind Lilac, Schokoladenbraun und der typischen „Siampoint“-Färbung.

Wichtiger Hinweis zur Zuchtform

In Österreich gilt die Scottish Fold als Qualzucht. Ihre Zucht ist verboten. Die Anomalie der Ohren sorgt für eine Störung im Knorpelwachstum. Mangels Stabilität knicken diese um. Dasselbe Gen führt zu schmerzhaften Gelenkdeformationen, welche ihre Bewegungen einschränken.  Im Fall der Scottish Fold wurde ab den 1960er-Jahren gezielt mit faltohrigen Tieren gezüchtet. Die genetische Grundlage ist auch Ursache dafür, dass die Scottish Fold nicht weltweit von allen Katzenzuchtverbänden als Rasse anerkannt wird – auch nicht vom internationalen Verband Fédération Internationale Féline (FiFe) und gilt in Österreich als Qualtzucht. Das österreichische Tierschutzgesetz verbietet es, Qualzüchtungen vorzunehmen oder Tiere mit Qualzuchtmerkmalen zu importieren, zu erwerben, zu vermitteln, weiterzugeben oder auszustellen. Wer gegen diese Bestimmung verstößt, riskiert eine hohe Geldstrafe.

Häufige Krankheiten der Scottish Fold

Die Scottish Fold leidet insbesondere aufgrund der Klappohren häufiger als andere Katzenrassen unter bestimmten Erkrankungen. Folgende Krankheiten treten bei Scottish Fold Katzen vermehrt auf:

  • Osteochondrodysplasie (OCD)
  • Atem- und Augenbeschwerden (kurzschnäuzige Knochendeformation des Schädels)
  • Polyzistische Nierenerkrankung
  • Arthrose
  • Ohrenentzündungen  (Reinigung der Ohren ist erschwert, zudem begünstigt das feucht warme Milieu ohne ausreichende Belüftung die Ansiedelung von Hautpathogenen)
  • Herzerkrankungen

Was ist Osteochondrodysplasie?

Die Osteochondrodysplasie (OCD) ist eine genetische Erkrankung, die sich auf die Knochen- und Knorpelentwicklung auswirkt. Neben der Faltohren wirkt sich die Mutation auf verschiedene Skelettveränderungen aus. Im TRPV4-Gen, welches normalerweise für die Gewebehomöostase und Zelldifferenzierung verantwortlich ist, verursacht die Mutation die Krankheit. Betroffene Tiere weisen schmerzhafte Knochendeformationen, kurze und ungewöhnlich breite Gliedmaßen sowie einen kurzen, unflexiblen Schwanz auf. Vor allem Mittelhand- und Mittelfußknochen sind dabei betroffen. Die Folgen sind eine Abneigung gegenüber jeglicher Bewegung, geschwollene Gelenke, Lahmheit und Arthrose. Besonders stark betroffene Individuen sind nicht zur eigenständigen Fortbewegung fähig. Für die Diagnostik kommen bildgebende Verfahren wie Röntgen, MRT und Spiral-CT zum Einsatz.

Diese Symptome verursacht OCD:

  • verkürzte Gliedmaßen
  • kurzer, unflexibler Schwanz
  • geschwollene Gelenke
  • Lahmheit
  • Bewegungsunfähigkeit
  • Arthrose

Haben alle Scottish-Fold-Katzen OCD?

Da OCD autosomal-dominant vererbt wird, sind grundsätzlich alle Individuen der Scottish-Fold-Rasse betroffen. Das bedeutet, dass das betroffene Gen zum einen auf einem nicht-geschlechtsgebundenem Chromosom liegt und zum anderen ein erkranktes Elternteil ausreicht. In welchem Alter die Symptome auftreten und wie schwerwiegend diese sind, variiert stark. Diagnostiziert werden kann die Krankheit bei reinerbigen Katzen bereits ab der siebten Lebenswoche, bei einem milderen Verlauf jedoch erst im fortgeschrittenen Alter.

Konsequenzen der dominanten Vererbung

Den Jungtieren einer erkrankten Katze liegt eine 50-prozentige Chance zu Grunde, dass auch sie die Krankheit entwickeln. Wenn das mutierte Gen vererbt wird, kann der Schweregrad von Tier zu Tier variieren. Durch die autosomale Vererbung sind Männchen und Weibchen gleichermaßen betroffen.

Die innerartliche Kommunikation von Faltohrkatzen ist eingeschränkt

Tierschützer weisen auch darauf hin, dass Ohren für Katzen im Allgemeinen ein wichtiges Kommunikationsinstrument sind. Der Knorpel des Katzenohrs übt eine wichtige Stützfunktion aus. Im Zusammenspiel mit der Muskulatur ermöglicht er den Tieren feinste Ohrenbewegungen, die von Artgenossen wahrgenommen und entsprechend interpretiert werden. Durch die verkrümmte Gestalt des Knorpels im Ohr ist die Scottish Fold nicht in der Lage, umfänglich mit ihren Artgenossen zu kommunizieren.

Scottish-Fold-Katzen bewegen sich nicht gerne, um Schmerzen zu vermeiden

Scottish-Fold-Katzen haben den Ruf, nur ungern zu springen, zu spielen und sich insgesamt nur wenig zu bewegen. Dieses Verhalten wird von arglosen Katzeninteressierten häufig als gemütlicher Charakterzug fehlgedeutet. Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch um ein typisches Vermeidungsverhalten, um keine Schmerzen zu erleiden.

Lebenserwartung: Wie alt werden Scottish-Fold-Katzen?

Hat die OCD-Erkrankung keine schwerwiegenden Symptome zur Folge, kann eine Scottisch Fold durchaus ein katzentypisches Lebensalter erreichen. Als Lebensspanne werden häufig zwölf bis 15 Jahre genannt. Äußert sich die OCD allerdings in Lähmungserscheinungen oder der völligen Bewegungsunfähigkeit, beschränkt sich die Lebenszeit nicht selten auf wenige Jahre oder sogar nur Monate. Erleidet ein Tier unzumutbare Schmerzen, muss es aus Gründen des Tierschutzes eingeschläfert werden.

Fazit: Scottish-Fold-Katzen müssen für die Vorlieben ihrer Halter leiden

Sämtliche Scottish-Fold-Katzen und deren Mischlinge tragen den rassetypischen Gendefekt in sich. Die vermeidlich niedlich anmutenden, umgelegten Ohren lassen sich nur zum Preis einer schwerwiegenden, vererbbaren Erkrankung des Bewegungsapparates und Kommunikationseinschränkungen als Rassemerkmal erhalten. Jungen Faltohrkatzen steht ein langes, leidvolles Leben bevor, das aus Tierschutzgründen häufig vorzeitig von einem Veterinärmediziner beendet werden muss. In Österreich gilt die Scottish Fold als Qualzucht. Ihre Zucht ist verboten.

Qualzucht-Hinweis

Diese Rasse wird in vielen Teilen der Welt als Qualzucht eingestuft.

Haarlose, extrem kurzköpfige Zuchtformen (sogenannte brachycephale Rassen) sowie weitere, bei denen extreme Ausprägungen im Körperbau (z.B. sehr langer Rücken, stark verkrümmte Beine, Wirbelsäulenveränderungen, übermäßiges Fellwachstum usw.) vorliegen, werden als Qualzucht eingestuft, da diese Merkmale ein gesundes Leben der Tiere unmöglich machen.

Ein verantwortungsvoller Tierhalter, der natürlich viel Wert auf ein gesundes, unbeeinträchtigtes Leben seines Vierbeiners legt, sollte bei der Entscheidung für eine geeignete Rasse nicht nur auf hervorragende Charaktereigenschaften achten, sondern auch diese Hinweise unbedingt berücksichtigen.

Wir von Fressnapf setzen uns als verantwortungsbewusste Tierfreunde aktiv für das Wohlergehen der Tiere ein und möchten auf die Herausforderungen hinweisen, die bestimmte Zuchtpraktiken mit sich bringen. Daher vermeiden wir es bewusst, Bilder von Qualzuchten außerhalb expliziter Rasseportraits zu zeigen, um keine ungewollte Nachfrage zu fördern.

Uns ist zudem bewusst, dass viele Tierhalter nicht wissen, dass ihr geliebtes Haustier unter den Folgen einer Qualzucht leiden könnte. Unser Ziel ist es nicht, Schuldgefühle zu wecken, sondern durch informative Beiträge darüber aufzuklären und gleichzeitig Hilfestellungen zu geben, diesen Tieren ein möglichst gesundes und glückliches Leben zu ermöglichen.

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