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Warum leckt mein Hund mich ab?

30.08.2023 - Lesedauer: 6 Minuten

Hund streckt Zunge raus

Das Lecken ist für den Hund völlig natürlich und kann ihm nur schwer abtrainiert werden.

Manche Hunde schlecken viel. Sich selbst, Gegenstände, Decken – und auch ihre Menschen. Aber warum leckt mein Hund mich ab? Das Schlecken ist für den Hund Kommunikation. Er drückt Zuneigung aus, will spielen oder fordert damit Zuneigung ein.

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Warum leckt mein Hund mich ständig ab?

Erinnerst du dich an die Peanuts? Snoopy schlabbert Lucy durch das Gesicht und sie schreit völlig entrüstet: „Ein Hund hat mich geküsst! Bringt Seife und Desinfektionsmittel!“ Nicht alle Hundehalter sind begeistert, wenn der Hund die Hände oder, wie im Comic, das Gesicht abschleckt. Für Hunde hingegen gehört das Abschlecken zur Kommunikation. Das Schlecken ist eine Form der Berührung und festigt die Beziehung zwischen Zwei- und Vierbeiner. Ganz unterbinden solltest du feuchte Hundeküsse daher nicht. Das würde deine Lakritznase nachhaltig verwirren.

Lass es Liebe sein!

Lecken gehört zu den natürlichen Verhaltensweisen des Hundes. Schon der Welpe nimmt das Abgelecktwerden als positive Handlung wahr, saugt es quasi mit der Muttermilch ein. Er wird bei der Geburt sanft von der Mutterhündin trocken geschleckt. Das Schlecken regt die Verdauung der Welpen nach der Milchmahlzeit an. Es fördert die soziale Bindung unter den Welpen im Wurf, die sich gegenseitig abschlecken. Kurzum: Der Hund schleckt aus Liebe und Zuneigung. Und das bringt er auch dir gegenüber zum Ausdruck. Das Lecken ist zudem ein Begrüßungsritual. So wie du deinen Hund instinktiv streichelst, wenn du nach Hause kommst, leckt dein Hund dich ab. Es festigt die Beziehung, stärkt das Rudel. Bei wild lebenden Hunden konnte beobachtet werden, dass sich die Mitglieder gegenseitig abschlecken, um den Zusammenhalt in der Gruppe zu stärken. Außerdem wirkt die gegenseitige Fellpflege entspannend. Nicht zuletzt setzt das Lecken Endorphine, körpereigene Glückshormone, bei Mensch und Hund frei, ermittelte die Hundetrainerin Victoria Stilwell.

Warum lecken Hunde Menschen-Ohren?

Hunde betreiben gegenseitige Fellpflege, indem sie sich abschlecken. Vor allem unzugängliche Stellen wie die Ohren werden gerne gegenseitig ausgeschleckt. In diese Pflege bezieht der Hund seinen Menschen mit ein und damit natürlich auch die Menschen-Ohren.

Hund schleckt Gesicht ab – die Bedeutung steckt dahinter

Neben Zuneigung und Fellpflege kann das Schlecken des Hundes eine weitere Bedeutung haben, nämlich dass er seine Unterwürfigkeit zum Ausdruck bringen will. Denn aus diesem Grund schlecken erwachsene Hunde sich gegenseitig das Gesicht ab. So zeigt der leckende Hund dem ranghöheren Tier seine Unterwürfigkeit an und zollt ihm damit Respekt. Das Gesicht des Menschen abzuschlecken, bedeutet also, ihn als Chef anzuerkennen. Eine ähnliche Bedeutung hat es, wenn der Hund die Füße ableckt. Sie Füße sind so beliebt, da hier der Eigengeruch des Menschen besonders ausgeprägt ist. Du fragst dich: „Warum leckt der Hund ständig meine Beine ab?“ Damit zeigt der Hund ebenfalls, dass er dich als Chef des Familienrudels akzeptiert. Das Abschlecken kann obendrein ein Beschwichtigungssignal sein, zum Beispiel, wenn du wütend und angespannt bist.

Hunde zeigen Empathie

Lecken beruhigt. Deshalb lecken Hunde ihre Halter ab, wenn diese traurig sind. In einer Studie fanden Forscher heraus, dass Hunde ihre Menschen vermehrt abschlecken, wenn diese so taten, als würden sie weinen. Sogar Fremde wurden mit einem beruhigenden Lecken bedacht, wenn sie in Tränen ausbrachen. Dass Hunde durchaus Empathie zeigen und sich emotional anstecken lassen, fanden italienische Forscher heraus. Eine weitere Studie aus den USA belegt, dass Hunde die Emotionen von Herrchen und Frauchen verstehen und Mitgefühl zeigen. Mit dem intensiven Schlecken will der Hund dir also Trost spenden.

Wundpflege bei Herrchen oder Frauchen

Hunde schlecken Wunden, damit diese schneller heilen. Denn im Hundespeichel befinden sich Histamine, die die Bildung neuer Hautzellen beschleunigen. Außerdem wirkt Hundespeichel, wenn auch nur schwach, gegen Escherichia coli (Kolibakterien) und Streptococcus canis (eine Streptokokkenart, die erstmals bei Hunden isoliert wurde). Forschende an einer Universität in Florida wiederum fanden das Protein Nerve Growth Factor (NGF), zu Deutsch Nervenwachstumsfaktor. Durch dieses Protein sollen von Hunden abgeschleckte Wunden zweimal schneller heilen. Es ist also möglich, dass der Hund die Wundpflege auf seinen Menschen überträgt. Schon früher war man überzeugt, dass Hundezungen eine heilende Wirkung auf Wunden haben.

Aufmerksamkeit und Futter erhaschen

Viele Lakritznasen haben gelernt, dass sie Streicheleinheiten oder Spiel und Spaß erwarten, wenn sie ihrem Menschen intensiv die Hände schlecken. Auch könnte es der Versuch sein, um Futter zu betteln. Denn Welpen lecken erwachsenen Hunden das Gesicht, damit diese die Jagdbeute als vorverdaute Nahrung wieder hervorwürgen.

Wenn Schlecken ein Problem wird

Es gibt Hunde, die mehr schlecken, und solche, die es weniger tun. Sollte sich das Verhalten deines Hundes aber plötzlich ändern und er dich wie wild abschlecken, solltest du einen Tierarzt aufsuchen. Es könnte eine Erkrankung dahinterstecken oder Stress und Angst. Manche Hunde schlecken zum Beispiel vermehrt, wenn sie Schmerzen haben oder ihnen schlecht ist. Eine Übersäuerung des Magens und Verdauungsprobleme führen bei manchen Hunden ebenfalls zu Schleckanfällen. Auch Trennungsangst kann dazu führen, dass dein Hund dich vermehrt abschleckt.

Ist es gefährlich, wenn mein Hund mich abschleckt?

Direkt gefährlich ist es nicht, wenn dein Hund dich küsst. Aber in jedem Fall ist es unhygienisch, schließlich könnte dein Hund gerade die Exkremente der Nachbarkatze inhaliert haben. Außerdem kann der Hund neben vielen harmlosen Bakterien Zoonose-Erreger in sich tragen, also Bakterien, die zwischen Tier und Mensch übertragen werden. Obendrein können sie Parasiten haben, wie Würmer oder Giardien, mit denen sich der Mensch ebenfalls anstecken kann.

Was tun, wenn mein Hund mich ständig abschleckt?

Gute Hygiene ist beim Zusammenleben mit dem Hund das A und O. Auf jeden Fall solltest du das Ablecken der Schleimhäute vermeiden, also den Kontakt von Hundemaul und Menschenmund. Ein Wangenkuss ist harmloser als ein Zungenkuss. Doch auch nach dem Knutscher auf die Wange solltest du diese sorgfältig waschen. Eine regelmäßige und gründliche Handhygiene sollte selbstverständlich sein, nicht nur, wenn dein Hund deine Hände abgeschleckt hat. Und selbst, wenn Hundespeichel heilsam sein soll, darf dein Hund nicht deine Wunden schlecken, da diese sonst zum Einfallstor für Bakterien werden können. Regelmäßiges Entwurmen und tägliches Zähneputzen des Hundes reduziert das Risiko, sich durch Hundeküsse eine Infektion zuzuziehen.

Kann ich meinem Hund das Schlecken abgewöhnen?

Das Lecken ist für den Hund ein völlig natürlicher Vorgang. Wenn dich das übermäßige Schlecken, zum Beispiel im Gesicht, stört, solltest du dich wegdrehen und ihn für einige Sekunden ignorieren. Es erfordert etwas Geduld und nicht zuletzt Konsequenz, dem Hund das Schlecken abzugewöhnen. Völlig unterbinden solltest du die soziale Interaktion mit dem Hund aber nicht. Biete ihm lieber die Hände als Ersatz an, wenn du keine Hundeküsse im Gesicht haben möchtest.

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