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Jack Russell Terrier geht angeleint auf Gehweg spazieren

Der Hundeführerschein – alles, was Hundebesitzer wissen müssen

Im öffentlichen Raum sind unsere Vierbeiner vielen Reizen ausgesetzt: Inlineskater, Radfahrer, Nordic-Walking-Stöcke, Jogger – die Liste ist lang. Beim Hundeführerschein geht es darum, dass Ihr Hund lernt, dass er sich auf Sie als Navigator verlassen kann. Um Sicherheit im Straßenverkehr, Grundgehorsam und Sozialverträglichkeit mit Artgenossen und Menschen. Wie Sie den Hundeführerschein ablegen können und was Sie darüber wissen müssen, lesen Sie hier.

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Was ist der Hundeführerschein?

Der Hundeführerschein ist ein Befähigungsnachweis für Hundehalter. Er attestiert Ihnen, dass Sie Ihren Hund so unter Kontrolle haben, dass er weder für Menschen noch für andere Tiere eine Gefährdung darstellt. Zur Prüfung gehört ein theoretischer und ein praktischer Teil. Geprüft werden Ihre Sachkunde sowie der Grundgehorsam und die Sozialverträglichkeit Ihres Hundes. Da das Hundegesetz Ländersache ist, gibt es keine bundeseinheitliche Regelung. Dieser Umstand und die unscharfe Abgrenzung zum Sachkundenachweis sorgt für Verwirrung. Der Sachkundenachweis wird von einigen Bundesländern für die Haltung von als gefährlich eingestuften Rassen verlangt. Da der Hundeführerschein in aller Regel umfangreicher ist, wird er häufig als Sachkundenachweis anerkannt.

Ist der Hundeführerschein in allen Bundesländern Pflicht?

Eine bundesweite Hundeführerscheinpflicht gibt es genauso wenig wie einen einheitlichen Hundeführerschein. Erkundigen Sie sich daher, nach den lokalen Regelungen an Ihrem Wohnort. Das kann sich durchaus lohnen: In manchen Kommunen, wie zum Beispiel in München, führt der Besitz eines Hundeführerscheins zu Vergünstigungen bei der Hundesteuer. In Hamburg und Schleswig-Holstein wird für Hunde mit Hundeführerschein die allgemeine Leinenpflicht ausgesetzt. Niedersachsen hat 2013 als erstes und bisher einziges Bundesland eine allgemeine Hundeführerscheinpflicht für alle Hundebesitzer eingeführt. In Baden-Württemberg wird aktuell die Einführung eines ähnlichen Modells vorbereitet. Der Hundeführerschein in Nordrhein-Westphalen ist dahingegen nur für Hunde ab einer gewissen Größe verpflichtend. Darunter fallen alle Tiere, die eine Widerristhöhe von 40 Zentimeter oder ein Gewicht von 20 Kilogramm überschreiten. Zudem ist ein Sachkundenachweis für Hunde in Nordrhein-Westphalen notwendig, die zu den sogenannten „Listenhunden“ zählen.

 

Jedes Bundesland trifft also seine eigenen Regelungen. Der Deutsche Tierschutzbund fordert übrigens, dass der Hundeführerschein bundesweit für alle Hundehalter verpflichtend eingeführt wird. Auch die Tierrechtsorganisation PETA spricht sich für einen Hundeführerschein aus – so würden Spontankäufe von Hunden vermieden, die später ausgesetzt oder im Tierheim abgegeben würden, weil sich die Halter im Vorfeld nicht ausreichend informierten.

Wie sieht die theoretische Prüfung aus?

Im Theorieteil erwarten Sie Multiple-Choice-Fragen. Der Umfang der Prüfung variiert – zwischen 35 und 110 Fragen müssen bearbeitet werden. Dementsprechend haben Sie zwischen 60 und 180 Minuten Zeit für die Beantwortung. Überall gleich ist jedoch, dass Sie 80 Prozent der Hundeführerscheinfragen richtig beantworten müssen, um zu bestehen. Damit erhalten Sie den Zugang zur praktischen Prüfung. Die theoretische Prüfung des Hundeführerscheins ist teilweise auch als Online-Test verfügbar.

 

Abgefragt wird Wissen aus den Bereichen:

  • Sozialverhalten
  • Kommunikation
  • Lerntheorie
  • Erziehung
  • Ausbildung
  • Angst und Aggression
  • Pflege
  • Rassekenntnisse
  • Ernährung
  • Gesundheit und Fortpflanzung
  • Hundegesetz und Recht

Was passiert in der praktischen Prüfung?

Der praktische Teil dauert zwei bis drei Stunden. Hier steht Ihr Umgang mit Ihrem Vierbeiner im öffentlichen Raum auf dem Prüfstand. Dazu beobachtet der Prüfer Sie in verschieden Situationen, zum Beispiel bei einem Spaziergang ohne Leine in einem belebten Park oder beim Bummel in der Fußgängerzone. Auch der Besuch eines Geschäfts oder Bahnhofs kann auf dem Programm stehen. Bis zu sechs Hund-Mensch-Teams können an derselben praktischen Prüfung teilnehmen. Bestehen Sie die Prüfung, gilt der Hundeführerschein solange Sie mit Ihrem Hund zusammenleben. Haben Sie mehrere Hunde, müssen Sie für jeden Ihrer Vierbeiner einen Hundeführerschein ablegen. Der Führerschein gilt also immer für das jeweilige Hund-Mensch-Team. Nach bestandener Prüfung erhalten Sie zwei Urkunden (Theorie und Praxis), einen Ausweis im Scheckkartenformat und eine Plakette für Ihren Hund.

 

Darauf liegt das Augenmerk des Prüfers in der praktischen Prüfung:

  • Wie reagiert Ihr Hund auf Menschen, Menschengruppen oder Artgenossen?
  • Wie reagiert er auf Autos, Ablenkungen und Lärm?
  • Befolgt Ihr Hund Grundkommandos (Sitz, Platz, Bleib, Rückruf)?
  • Bricht Ihr Hund auf Kommando begonnene Handlungen ab?
  • Können Sie Ihren Hund an der lockeren Leine führen?
  • Bleibt Ihr Hund entspannt, unabhängig davon was um ihn herum passiert?
  • Beweist Ihr Hund in der Prüfungssituation durchgängig Gehorsam?
  • Zeigen Sie tiergerechtes, vorausschauendes Verhalten?
Zwei Hunde trainieren mit Frau auf Wiese

In diesem Video des VDH können Sie sich Beispielsituationen ansehen, die in der praktischen Prüfung auf Sie zukommen können.

Anmerkung der Redaktion: Video, das Themen vgl. Beitrag erklärt. Im Idealfall wird ein Hundehalter beim Erlangen des Führerscheins begleitet (Reportage). Existierende, externe Videos sind meist uralt oder nicht sehr gut. Auf YouTube ist kaum brauchbares zu finden. Auch unser Vorschlag dazu (bei praktischer Prüfung) ist “oldschool”, aber wenigstens vom VDH.

Wie bereiten Sie sich vor?

Grundsätzlich besteht nicht die Pflicht an Vorbereitungskursen teilzunehmen. Im Fachhandel gibt es reichlich Literatur zur Prüfungsvorbereitung im Selbststudium. Auf der Webseite des BHV (Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater) finden Sie zum Beispiel Hundeführerschein-Fragebögen zur Vorbereitung auf den Theorieteil. Auch eine kostenfreie App zum Hundeführerschein wird von dem Verband angeboten.

 

Den Praxisteil gut vorzubereiten kann schwieriger sein. An der praktischen Prüfung nehmen mehrere Hunde gleichzeitig teil – das kann so manchen Vierbeiner ablenken. Wenn Sie also an keinem Vorbereitungskurs teilnehmen, sollten Sie mit Ihrem Hund auch in der Gruppe üben. Suchen Sie Situationen mit vielen Reizen, die den Gehorsam Ihres Hundes auf die Probe stellen. Spezielle Vorbereitungskurse werden von Hundeschulen und Verbänden angeboten. Dort werden Sie und Ihr Vierbeiner zielgerichtet für beide Prüfungen fit gemacht.

 

Im Schnitt benötigen die meisten Hund-Mensch-Teams zur Vorbereitung zwischen drei und vier Monaten.

Wer nimmt die Prüfungen ab?

Ablegen kann man die Hundeführerscheinprüfung im gesamten Bundesgebiet bei verschiedenen Vereinen und Hundetrainern. Auf den Websites der folgenden Verbände finden Sie einen Prüfungsort in Ihrer Nähe:

  • Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater (BHV)
  • Berufsverband zertifizierter Hundetrainer (BVZ)
  • Verband für das deutsche Hundewesen (VDH)
  • Internationaler Berufsverband der Hundetrainer und Hundeunternehmer (IBH)

Tipp: Es lohnt sich im Vorfeld, die Webseiten der Verbände zu studieren. Dort finden Sie neben Prüfungsterminen auch Kursempfehlungen und hilfreiches Lernmaterial.

Hunde sitzen angeleint in einer Reihe beim Training auf einer Wiese

Wie sehen die Zulassungsbedingungen aus?

Der Zweibeiner muss mindestens 16 Jahre, der Vierbeiner zwölf Monate alt sein, um an der Prüfung teilzunehmen. Außerdem muss der Hund einen Identifikationsnachweis in Form eines implantierten Mikrochips sowie einen Impfpass und eine Hundehaftpflichtversicherung vorweisen.

Was kostet ein Hundeführerschein?

Die Kosten für den Hundeführerschein schlagen mit etwa 90 bis 130 Euro für die zweiteilige Prüfung zu Buche. Je nach Bundesland und Prüfer kann der Preis variieren. Nicht enthalten sind eventuelle Kurskosten. Die Prüfung kann beliebig oft wiederholt werden, sollte es beim ersten Mal nicht klappen.

 

In einigen Nachbarländern, wie zum Beispiel in der Schweiz, ist der Hundeführerschein längst Pflicht. Vielleicht muss man diese Pflicht, aber nicht als ein lästiges Muss sehen: Sie und Ihr Vierbeiner können zeigen, dass Sie ein gutes Gespann sind, das Alltagssituationen locker bewältigt. Das bekommen Sie dann sogar schriftlich – das ist doch eine tolle Sache!

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