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Ein weißes Kaninchen.

Kaninchenschnupfen: gefürchtet und ansteckend

Das Kaninchen hat „Schnupfen“ – das klingt zunächst einmal harmlos, wenn damit ein typischer Menschenschnupfen assoziiert wird. In Wirklichkeit ist der Kaninchenschnupfen, medizinisch Rhinitis contagiosa cuniculi, eine verbreitete Krankheit, die unbedingt behandelt gehört. Lesen Sie hier, wie Sie erkennen, ob Ihr Langohr daran leidet und welche Behandlungsmaßnahmen erforderlich sind.

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Was ist Kaninchenschnupfen?

Kaninchen neigen zu Erkältungen, insbesondere, wenn sie gewöhnlich im Haus leben und im Frühjahr zu bald vom geheizten Zimmer in den kühlen Garten gebracht werden. Tiere in Freilandhaltung haben normalerweise ein stärkeres Immunsystem, aber durch widrige Umstände können auch sie sich erkälten.

 

Beim Kaninchenschnupfen handelt es sich allerdings nicht um die Folgen einer Verkühlung, sondern um eine ansteckende Krankheit, die durch eine Mischinfektion mit Pasteurellen und Bortadella-Bakterien sowie einigen Sekundärkeimen ausgelöst wird. Die Krankheit wird in der Regel durch Tröpfcheninfektion von Tier zu Tier übertragen, kann aber auch zeitverzögert durch den Kontakt mit kontaminierten Flächen und Gegenständen erfolgen. Sogar eine Übertragung von Menschen auf Kaninchen ist möglich: Sie können mit Ihrer eigenen Erkältung Ihr Kaninchen anstecken. Tatsächlich ist ein Großteil der Hauskaninchen in Deutschland latent mit den Erregern des Kaninchenschnupfens infiziert, die Krankheit bricht jedoch nicht zwangsläufig aus.

 

Begünstigt wird der Kaninchenschnupfen durch Fehler bei den Haltungsbedingungen: Hygienemängel, Zugluft, Stress oder Ernährungsfehler. Vor allem zu seltenes Ausmisten und Wechseln der Streu fördern die Verbreitung der Bakterien und eine erhöhte Ammoniak-Konzentration in der Umgebung der Tiere, die zur Reizung der Atemwege beiträgt. Für den Laien ist kaum zu erkennen, was genau der Auslöser für eine Schnupfenerkrankung ist; in jedem Fall sollten Sie das Kaninchen bei Verdacht auf Erkältungskrankheiten dem Tierarzt vorstellen. Egal ob es sich um eine Verkühlung oder eine Virus- oder Bakterieninfektion handelt: Nehmen Sie Atemwegserkrankungen bei Kaninchen ernst. Werden sie verschleppt, können sie chronisch werden, sich zu einer Lungenentzündung auswachsen oder schnell so sehr verstärken, dass sie für das Tier ein tödliches Ende nehmen.

Welche Kaninchenschnupfen-Symptome gibt es und ist Kaninchenschnupfen heilbar?

Im Anfangsstadium kann der Kaninchenschnupfen leicht mit einer „normalen“ Erkältung verwechselt werden, denn die ersten Symptome sind eher unspezifisch.

Symptome im Anfangsstadium:

  • Leichter Schnupfen: Niesen, wässriger Nasenausfluss und eine leichte Entzündung der Nase sind die ersten Anzeichen der Erkrankung.
  • Veränderungen des Sekrets: Das Nasensekret wird mit fortschreitender Erkrankung milchig und klebrig.
  • Verschleppung durch Schmierinfektion: Das vermehrte Putzen im Gesicht ist ein weiteres Symptom für Kaninchenschnupfen. Da das Kaninchen das infektiöse Sekret beim Reinigen des Gesichts an die Pfoten bekommt, wird es über Körper und Umgebung verteilt.
  • Ansteckung der Augen und Ohren: Die Krankheit kann auf die Augen übergreifen und als Sekundärerkrankung eine eitrige Bindehautentzündung auslösen oder sich in einer Mittelohrentzündung niederschlagen.
  • Atembeschwerden: Die freie Atmung des erkrankten Tieres ist beeinträchtigt, deutlich zu erkennen an Atemgeräuschen und heftiger Flankenatmung.
  • Erhöhte Temperatur: Im weiteren Verlauf kommt Fieber hinzu.
  • Chronische Atemwegserkrankung: Die Atemwegsinfektion kann auf die Bronchien übergehen und dort einen chronischen Verlauf nehmen.

Frühzeitig erkannt und behandelt, ist Kaninchenschnupfen therapierbar – eine Heilung gibt es leider nicht. Ist das Kaninchen ansonsten gesund und nicht durch irgendwelche Faktoren geschwächt, stehen die Behandlungschancen gut: Die Kaninchen können ein weitgehend beschwerdefreies Leben führen. Allerdings neigen viele einmal infizierte Tiere zu erneuten Krankheitsschüben, da es fast unmöglich ist, die bakteriellen Erreger komplett zu beseitigen. Ein chronischer Kaninchenschnupfen, der bereits zu einer Lungenentzündung oder Ohrentzündung geführt hat, ist weit schwieriger und langwieriger zu behandeln.

Wie kann man Kaninchenschnupfen behandeln?

Der Tierarzt nimmt vor der Behandlung des erkrankten Kaninchens zunächst einen Abstrich, um eingrenzen zu können, welche Spielart einer Erkältungskrankheit vorliegt. Dazu werden ferner die Lungen des Tieres abgehört und gegebenenfalls ein Röntgenbild des Brustkorbs angefertigt. Ist die Ursache ermittelt und als Kaninchenschnupfen erkannt, spült der Tierarzt als ersten Behandlungsschritt Augen und Nasenöffnungen und appliziert antibiotikahaltige Augentropfen. Parallel dazu wird er ein Breitbandantibiotikum verabreichen. Die Antibiotika sollen die bakteriellen Erreger abtöten beziehungsweise ihre Ausbreitung vermindern. Antibiotikagaben müssen Sie, je nach Verordnung, gewissenhaft teils über mehrere Wochen verabreichen.

 

Um die Behandlung zu unterstützen und Begleitsymptome zu behandeln, ist eine Ergänzung der Nahrung durch Vitamine anzuraten, vorzugsweise in Form von Grünfutter und Kräutern wie Spitzwegerich, Thymian und Kamille. Wichtig dabei: Kaninchen mit Atemwegserkrankungen haben nur einen eingeschränkten Geschmackssinn und verminderten Appetit; auch die instinktive Unterscheidung zwischen Gift- und bekömmlichen Pflanzen ist gestört. Bieten Sie Ihrem Mümmler besonders hochwertiges, stark duftendes Futter. Ebenfalls bewährt haben sich Inhalationen mit ätherischen Ölen von Thymian, Fenchel und Kamille. Setzen Sie das Kaninchen dazu in eine gut mit Heu ausgestattete Transportbox oder einen Käfig und stellen den heißen Aufguss vor die geschlossene Tür. Box und Schüssel bedecken Sie so mit einem Tuch, dass ein Lüftungsspalt frei bleibt: So kann das Kaninchen täglich mehrfach einige Minuten die Dämpfe inhalieren.

 

Wenn der Kaninchenschnupfen nicht nachweislich durch einen Neuzugang, auf Umwegen über den Menschen oder kontaminierte Objekte eingeschleppt wurde, sollten Sie außerdem dringend überprüfen, ob Ihre Kaninchenhaltung Schwachstellen aufweist. Das kann bereits eine bislang unentdeckte Zugluftstelle im Gehege sein.

Gibt es eine Impfung gegen Kaninchenschnupfen?

Es gibt eine Impfung gegen die primären Erreger des Kaninchenschnupfens, die Sie in Erwägung ziehen können, wenn Ihre Kaninchen in einer großen Gruppe leben (etwa im Tierschutz) oder gelegentlich auf Reisen (zu Ausstellungen oder in die Tierpension) gehen. Eine solche Schutzimpfung hält etwa ein halbes Jahr lang und darf nicht zugleich mit der Impfung gegen die Myxomatose stattfinden. Der Nutzen einer Kaninchenschnupfen-Impfung bei einer normalen privaten Haltung mit wenigen Tieren ist wegen noch unzureichend erforschter Nebenwirkungen nicht unumstritten: Das Risiko könnte den Nutzen übertreffen.

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