Konsequenz ist gefragt

Hast du dir eigentlich schon mal Gedanken darüber gemacht, warum dein Hund bettelt, sobald du dir etwas leckeres zum Essen gönnst? Für Hunde gibt es eine ganz einfache Erklärung: Futter ist die einzige überlebenswichtige Ressource. Selbst wenn der Hund schon sein eigenes Futter bekommen hat, würde es ihn immer noch reizen, beim Menschen um mehr nachzufragen. Natürlich sind dabei nicht alle Hunde gleich aufdringlich. Aber bei den meisten Hunden hat das Betteln schon Erfolg gebracht – und alles das, was Erfolg bringt, wird wiederholt. Mit meinen nächsten Tipps erkläre ich, wie man dem Dackelblick des Hundes ganz einfach widersteht und wieder unbeobachtet essen kann.

Zunächst solltest du dir überlegen, ob dein Hund schon einmal etwas von deinem Essen abbekommen hat. Ist die Antwort ja, hast du das Problem verstärkt. Oft passiert sowas aber auch ganz unterbewusst, das letzte Stück von einem Brotrand, das dann schnell mal dem Hund zugesteckt wird oder eine Kleinigkeit, die in der Küche zu Boden fällt, reicht schon völlig aus, dass der Hund dabei lernt: Hier komme ich ohne große Anstrengung zu meinem Erfolg.
Selbst Hunde, die noch nie Erfolg beim Betteln hatten, empfinden es oftmals doch als Belohnung, wenn sie in gewissen Situationen Aufmerksamkeit bekommen. Also wenn man den Hund, während er mit großen Kulleraugen vor einem sitzt, anspricht und versucht zu kommunizieren, kann auch das schon zu einer Verstärkung und somit zu einem häufigeren Auftreten dieses Verhaltens führen.
Ganz wichtig ist es dennoch, dem Verhalten Grenzen zu setzen. Oft hört man von Hundehaltern, dass sie es nicht für störend empfinden, aber dennoch sollte man dem Hund helfen, seine Ruhephasen zu finden und ihm Stress ersparen.

Die wichtigste Grundregel zu Beginn
„Einmal ist keinmal“ ist genau der Grundsatz der beim Antibetteltraining NICHT im Mittelpunkt stehen sollte. Jedes Erlebnis ist prägend und deshalb gilt: Ab sofort gibt es keinerlei zusätzliche Belohnungen in Situationen, in denen sie der Hund ungefragt einfordert. Das gilt natürlich nicht nur für den eigenen Besitzer, sondern auch für alle Menschen, die mit dem jeweiligen Hund zu tun haben. Achte also auch mal ganz bewusst darauf, ob alle Familienmitglieder am selben Strang ziehen und informiere alle über das richtige, erwünschte Verhalten.

Nachteil ist gleich Vorteil
Der bereits vorab erwähnte Nachteil, dass der Hund schnell lernt „Wenn ich Bettel, bekomme ich vielleicht auch etwas“ ist gleichzeitig im Training aber auch unser größter Vorteil. Wir nehmen dem Hund nicht weg, dass er im Mittelpunkt stehen darf oder sich verstecken soll, wenn ich als Mensch mit dem Essen beschäftigt bin, sondern formen uns das Bettelverhalten so, wie wir es als angenehm empfinden. Dazu empfehle ich immer einen zugeteilten Ruheplatz (zum Beispiel Hundebett oder offene Hundebox) mit dem Vierbeiner positiv aufzutrainieren. Man nimmt sich also erst die Zeit, den Befehl „Ins Bett“ zu erlernen. Dazu lockt man den Hund im einfachsten Fall mit der Target- oder Futterhand auf die gewünschte Decke, lässt ihn dort hinlegen und belohnt dieses Verhalten mehrmals. Nach einigen Versuchen kann man die Distanz von Mensch zum Hundeplatz in kleinen Schritten vergrößern.

Das Ziel ist es nun also dem Hund zu erklären: Anstatt direkt an der Quelle zu betteln, zahlt es sich für dich aus, auf deinen Platz zu gehen. Die Vorgehensweise ist dabei eigentlich ganz einfach. Jedes Mal, wenn der Hund gerade bettelt, wird er mit dem schon zuvor erlernten Kommando zum Hundeplatz geschickt und erhält fürs dortige Verweilen eine Belohnung. Das kann nun entweder ein guter Kauknochen sein, der den Vierbeiner eine längere Zeit beschäftigt oder auch einfach nur ein normales Leckerli. Wichtig dabei ist nur, keine lange Zeitspanne dafür zu fordern. Denn genau das ist der Punkt, der im Laufe des Trainings mit viel Geduld und Hartnäckigkeit heraus gezögert werden muss. Zunächst erhält der Hund seine Belohnung fürs auf die Decke gehen, im nächsten Versuch soll er schon einige Sekunden dort bleiben und bekommt erst dann den ersehnten Leckerbissen. Stück für Stück wird also das Liegenbleiben und auf die Belohnung warten nach hinten verschoben. Dabei sollte man immer von Beginn an darauf achten, dass man aus dem Prozess nichts außergewöhnlich aufregendes macht. Immerhin soll der Hund ja später auch selbstständig auf seine Decke gehen, wenn seine Menschen gerade etwas essen. Also immer darauf achten, dass auch du als Mensch dabei Ruhe ausstrahlst.

Sollte der Hund nach ein- oder zweimaliger Aufforderung nicht auf den Hundeplatz gehen, würde ich dazu raten, den Hund schon vorab an eine leichte Hausleine zu nehmen um ihn dann damit einfach kommentarlos zu seinem Platz zu führen. Der Ablauf danach bleibt dennoch der Gleiche: Belohnung fürs auf der Decke liegen wird gegeben und bei jedem weiteren Versuch verzögert.

Mit diesen einfach umsetzbaren Trainingsschritten erfolgt ein Lernprozess, der dem Hund ganz einfach und unmissverständlich erklärt, dass es auf dem Hundeplatz lohnenswerter ist, als direkt beim Menschen zu betteln. All das Training ist natürlich auch wirklich nur dann zielführend, wenn wirklich alle am selben Strang ziehen.