Manchmal muss man alleine bleiben

Den Hund alleine zu Hause zu lassen ist oftmals eine Qual für viele Hundehalter. Wenn sie merken, dass ihr Hund alleine einen Stressmarathon durchläuft, fällt es oft noch viel schwerer die Haustüre ohne den geliebten Vierbeiner zu verlassen. Durch den ein oder anderen kleinen Trick gelingt es aber im Handumdrehen, jedem Hund vernünftig und stressfrei zu lernen, dass alleine zu Hause bleiben gar nicht so schlimm ist. Lukas Pratschker gibt uns Ratschläge.

Rückzugsort

Für viele Hunde ist es ein massiver Stressauslöser, dass ihre Bezugsperson nicht mehr anwesend ist. Verliert der Hund seinen Anker und seine Sicherheit wenn er alleine gelassen wird, kommt er schnell auf Ideen, die die Nachbarn vielleicht unangenehm finden. Damit es gar nicht so weit kommt, dass das Alleinebleiben vom Vierbeiner lautstark kommentiert wird, empfiehlt Lukas einen Rückzugsort positiv aufzutrainieren. Dazu eignet sich zum Beispiel eine Hundebox sehr gut. Wichtig ist dabei, nicht gleich von Anfang an den Fehler zu machen und den Hund sofort wegzusperren. Bevor man den eigenen Hund das erste Mal alleine in seiner Box lässt, sind einige Trainingssessions gefragt. Als ersten Schritt belohnt man dazu jedes Interesse, das der Hund eigenständig an seinem Rückzugsort zeigt. Schaut der Hund also zum Beispiel in die Richtung seiner Box, kommt im selben Moment ein Lobwort vom Besitzer und zur Verstärkung auch noch eine Belohnung, die man bereits in die Box legen kann. Ist der Hund nun eigenständig hineingegangen, gibt es auch dafür wieder einen Leckerbissen. Bleibt der Vierbeiner dabei auch schon ein paar Sekunden oder vielleicht sogar länger in der Box, wird auch dieses Verhalten hochwertig und intensiv gelobt und belohnt. Gerne verwendet Lukas dazu auch oftmals eine länger anhaltende Kaubelohnung wie zum Beispiel einen Knochen, da die Kaubewegung beim Hund als entspannend gilt und sich auch dieses Gefühl mit dem Aufenthalt am Rückzugsort verknüpft. Es würde sich auch anbieten den Hund wieder aus der Box herauszurufen, um diesen Vorgang mehrmals zu wiederholen. Der Lernerfolg, der sich dabei abzeichnen sollte ist, dass der Hund lernt, dass es sehr lohnenswert ist, in die Hundebox zu gehen.
Wenn das freiwillige Hineingehen schon klappt, bietet es sich an, die Belohnung nun nicht mehr für das Betreten, sondern für das kurzzeitige Verweilen am Ruheplatz zu geben. Stück für Stück kann nun in mehreren Trainingseinheiten die Zeitspanne erhöht werden. Erst dann, wenn der Platz vom Hund auch wirklich als Rückzugsort angenommen wird, würde Lukas die Hundebox auch tatsächlich für das allein zu Hause bleiben verwenden.

Beschäftigung

Ein weiterer Tipp, mit dem Lukas bei seinen eigenen Hunden positive Erfolge erzielte, war es Freude auf das Alleine bleiben zu erzeugen. Er vergleicht das gerne mit Teenagern: Wenn sie mal sturmfrei haben, dürfen sie zu Hause Dinge tun, die sonst vielleicht verboten sind. Vielleicht einen Griff in die sonst verbotene Naschlade oder die Füße auf dem Couchtisch – niemand ist da, der etwas verbieten kann.
Ein ähnliches Gefühl kann man auch ganz leicht bei unseren Hunden erzeugen, indem man ihnen Spiele überlässt, die es in Anwesenheit der Besitzer sonst nicht gibt. Aber auch diese Methode kann nur dann wirklich Erfolg versprechen, wenn sie Schritt für Schritt vorab positiv aufgebaut wird.
Dazu überlegt man sich ein Spiel, zum Beispiel die Suche von Leckerchen, die in vielen Altpapierblättern eingewickelt werden und dann zusammen in einen großen Karton geworfen werden. Die Aufgabe des Hundes ist es, die Belohnungsstücke zu finden. Die Methode funktioniert natürlich auch mit anderen Beschäftigungsspielen wie etwa einem Kong oder ähnlichem. Der Hundeführer übergibt nun seinem Hund das Spiel und verlässt daraufhin sofort den Raum oder das Haus, kommt aber einige Sekunden später wieder hinein, um das Spiel wieder zu entfernen. Den Vorgang wiederholt man einige Male an mehreren Tagen und versucht dabei die Phasen des Alleinbleibens Step by Step länger werden zu lassen.
Der Hund lernt dabei, dass es dieses besondere Spiel immer nur dann gibt, wenn der Mensch den Raum verlässt. Er hat also dann nicht nur eine Beschäftigung sondern auch die passende positive Emotion dazu, um nicht in Trauer um den vermeintlichen Verlust des Besitzers zu verfallen.