Calming Signals
Die norwegische Hunde-Expertin und -Trainerin Turid Rugaas, startete Ende 1980er Jahre eine bahnbrechende Untersuchung. Hunderte von Hunden wurden beobachtet, es entstanden Videos und Diaserien. Mit eindeutigem Ergebnis: Konfliktlösende Signale werden von Hunden aller Altersgruppen eingesetzt – von Welpenbeinen an bis ins hohe Alter. Jeder Hund, überall auf der Welt, sendet diese Signale aus und kann sie seinerseits auch lesen. Eine Vielzahl gewissermaßen internationaler Signale “Calming Signals” (Beschwichtigungssignale) wurde herausgefiltert und benannt.
Wann immer Hunde beunruhigt sind, oder sie die Beunruhigung eines anderen Hundes oder Menschen spüren, senden sie diese Signale aus. Sie beschwichtigen/beruhigen damit sowohl sich selbst als auch ihr Gegenüber bzw. das, was sie beunruhigt. Diese Signale werden gleichermaßen angewendet ob es sich um eine Begegnung mit Artgenossen handelt oder im Umgang mit uns Zweibeinern. Allerdings mit einem deutlichen Unterschied: Unter ihresgleichen erhalten Hunde immer eine Antwort auf ausgesandte Beschwichtigungssignale. Das Gegenüber signalisiert “Alles klar, ich habe erkannt, dass du beunruhigt bist – von mir geht keine Gefahr aus, entspann dich wieder”. Anders im Umgang mit Menschen. Hund teilt uns seine Befindlichkeit mit – und Mensch antwortet nicht! Oder noch schlimmer: Wir bestrafen ihn womöglich, wenn er Calming Signals zeigt, weil wir seine Beschwichtigungsversuche irrtümlich als Ungehorsam oder Sturheit deuten.
Hier einige „gängige“ Calming Signals: Schlecken der Nase / Züngeln, sich abwenden, Verlangsamung von Bewegungen, Blinzeln, den Kopf auf die Seite drehen, einen Bogen laufen, Pföteln, Gähnen uvm.
Die Beschwichtigungssignale deines Hundes sind eine Informationsquelle, die du unbedingt anzapfen solltest! Er zeigt dir, was ihn beunruhigt und in welcher Situation er sich unbehaglich fühlt. Diese Informationen kannst du nützen, indem du Situationen entschärfst, in denen dein Hund beschwichtigt. Als vertrauenswürdiger Anführer ist es dein Job, unangenehme und stressige Situationen von deinem Rudel fern zu halten.
Wer auf die Beschwichtigungssignale seines Hundes achtet und ihn gegebenenfalls aus beunruhigenden Situationen „erlöst“, kann vielen Problemen vorbeugen. Auch Alltagsdramen lassen sich entschärfen: Beobachte deinen Hund genau, wenn du ihn „liebevoll“ drückst und knuddelst oder ihn fest umarmst. Möglich, dass ihm das nicht so angenehm ist, wie du dachtest. Wenn du dein Album mit den Hundefotos durchblätterst, findest du bestimmt selbst die Musterbeispiele der Calming Signals, die dein Hund bei diversen Gelegenheiten geboten hat.
Auch im Training mit deinem Hund kannst du in Zukunft besser reagieren. Denn er zeigt dir, dass er eine Pause braucht, dass er nicht versteht, was du gerade von ihm willst……!
Wenn du also etwas für eine gute Beziehung zu deinem Hund tun möchtest, dann sieh genau hin!
Viel Spaß und viel Erfolg beim Trainieren
Karin Immler
